Sonntag, 23. November 2008

Gaumenfreuden in Kühlungsborn

Bereits eine Woche ist es her... das große Galadiner im Strandhotel Sonnenburg Kühlungsborn.
Inzwischen haben wir alle kulinarischen Eindrücke ausreichend verarbeitet und abgespeichert, wollen Euch, liebe Küchenschreck-Leser, natürlich nicht länger auf die Folter spannen und endlich berichten, was Küchenchef Guido Schwabe und Inhaber Alexander Zollner in diesem Jahr auf die Tische der Sonnenburg-Stammgäste gezaubert haben.

Die Menüfolge wurde komplettiert mit Wei
nen aus der Pfalz. Erklärungen rund um die einzelnen Edelreben kamen wie immer von Weinkenner Manfred Zaddach, der -ebenfalls wie immer- mit jedem Gang ein bisschen lustiger wurde, was Teile des Abends ebenso lustig gestaltete. Herr Zaddach verfügt nämlich über ein mehr als fundiertes Wissen rund um Wein...

Genug der Vorrede, jetzt gehts los:


1. Röschen von der Tomaten- und Trüffelbutter als Brotaufstrich
Endlich! Nachdem wir so lange Kritik am immer wieder angebotenen Kräuterquark geübt und in den letzten Besuchen jedesmal standhaft verweigert hatten, wurden unsere "Gebete" erhört. Die beiden Buttersorten erwiesen sich als hervorragende Gaumenkitzler und machten als Starter so richtig Appetit auf mehr... Auch wenn viele Gäste den Kräuterquark bevorzugen...wir kennen mindestens 4 Leute, die sich über Abwechslung freuen wie die Kinder ;-)! Weiter so.

2. Dreierlei vom Kaviar
Ketakaviar (vom Lachs) auf Kartoffelstampf, Ei und Schnittlauchcreme - schmeckte ein bisschen wie Heringssalat und die Meinungen gingen am Tisch etwas auseinander. Insgesamt herzhaft und salzig.
Deutscher Kaviar auf geräuchertem Stör - Räucherfisch und Kaviar. Gut, aber nicht extra erwähnenswert.
Sevrugakaviar mit Rindertatar auf Kartoffelplätzchen - geschmacklich wie optisch die gelungenste Kombination des Ganges. Kreative Zusammensetzung und ein super Geschmackserlebnis.

3. Kalbscarpaccio mit schwarzem Wintertrüffel
Feine Zutaten, ohne Zweifel. Geschmacklich sehr gelungen. Da man aber an einem Carpaccio nicht sooo wahnsinnig viel falsch machen kann, ist so ein Gang fast immer ein Genussgarant.





4. Ricottatortellini mit den Meeresfrüchten Jacobsmuschel, Scampi und Hummer
Dieser Gang erinnerte an den vom Vorjahr (Hummertortellini von und mit kanadischem Hummer). Der Hummer wird wohl nie mit uns Freundschaft schließen (der war wie Gummi). Dafür waren Scampi und Jacobsmuschel aber äußerst fein!



5. Schaumsüppchen von der Artischoke mit Lammspiesschen
Auch im letzten Jahr gab's ein Schaumsüppchen. Das war allerdings aus Linsen gekocht. Das Artischockensüppchen mit dem Spiesschen (das ein kleiner Rosmarinzweig war) haben wir zum diesjähringen Favoriten des ganzen Menüs erklärt. Bitte, bitte in die offizielle Speisekarte aufnehmen... :-)


6. Kanadischer weißer Heilbutt auf Rosenkohlblättern mit Jörg Müllers Noilly Prat Sauce
Jetzt werdet Ihr Euch fragen, wer um alles in der Welt Jörg Müller ist und was es mit Noilly Prat auf sich hat. Lange Rede, gar kein Sinn: Jörg Müller ist seines Zeichens einer der besten Sterneköche Deutschlands mit eigenem Hotel und Restaurant in Westerland auf Sylt, bei dem nicht nur Sonnenburg-Chefkoch Guido Schwabe sondern auch schon Johann Lafer gelernt haben (nur der Vollständigkeit halber sollte vielleicht an dieser Stelle erwähnt werden, dass Lafer nach der Müllerschen Grundausbildung zum besten Patissier Deutschlands gekürt wurde...).
Bei NOILLY PRAT handelt es sich um einen ganz speziellen südfranzösischen Wermuth, der als "König der trockenen Wermuths" gehandelt wird. Die Sauce war tatsächlich der Knaller. Küchenschreck Anja als kleine Saucenfetischistin bestellte sogar nach... so gut, dass wir diesem Gang extra mehr Text widmen.

7. Campari-Orangensorbet
Sorbets werden bei mehrgängigen Menüs oft als Zwischengang gereicht, da sie die Verdauung anregen und das Sättigungsgefühl verrringern. Letztes Jahr also Birne, dieses Jahr die bittere Note des Campari in Kombination mit süßer, frischer Orange. Erfrischend und schmackhaft.






8. Dreierlei vom Ibericoschwein - Roulade, Medaillon vom Filet und Serranoschinkenan gratiniertem grünen Sargel...dazu Keniabohnen und pikante Kräutergnocchi
Das Ibericoschwein ist eine bekannte Delikatesse aus den Eichenwäldern Spaniens. Die halbwilden, schwarzen Schweine leben in Freiheit in den riesigen Wäldern der Estramadura und ernähren sich nur von Eicheln (von denen es sein feines und nussiges Aroma erhält) und frischen Gräsern. Der Schinken (Jamon Iberico de Bellotta) gilt landläufig als bester Schinken der Welt. Das Kilo Iberico-Fleisch kostet im Großhandel zw. 30-50 €... Ein bißchen Warenkunde hätte als Vorrede hier ganz gut getan. Denn mit dem Hintergrundwissen über ein Iberico-Schwein und dessen Einmaligkeit in der Gourmetküche hätten wir diesen Gang besser zu würdigen gewusst. So war uns die Roulade zu trocken, der Schinken zu spärlich, aber das Filet toll! Die Aromen des besonderen Fleisches kamen im Gaumen also weniger an, passten aber trotz allem gut zum gereichten Rotwein (unten mehr dazu).

9. 5 Käsesorten aus Europa (auf dem Foto im Uhrzeigersinn):
*El Tronchon Truffes (Schafskäse mit Trüffeln aus Spanien)
*Rotweinkäse (Kuhmilchkäse aus Deutschland)
*Taleggio (Kuhmilchkäse aus Italien)
*Tete de moine (Kuhmilchkäse aus der Schweiz)
*Cheddar (Kuhmilchkäse aus Irland)
Der Käse an sich war jetzt keine große Überraschung, warten doc
h mittlerweile gut sortierte Supermärkte bereits mit all diesen Sorten auf. Bemerkenswert waren allerdings die hervorragenden Dips, die mit frischem Brot gereicht wurden. Hier zu nennen: Feige mit Senf, Grappa mit Trüffel und Honig mit Trüffel. Obwohl unsere Mägen schon ziemlich zu tun hatten, waren die Dips schlichtweg ein HAMMER!

10. Grand Dolci (gemischter süßer Kram)
Weniger wäre hier echt mehr gewesen. Im einzelnen schmeckten das weiße Schokoladenparfait, die Zwetschge auf Quarkkeulchen, der Birnenstrudel, die Creme Brulé und die Waffel mit Erdbeere und Sahne sehr gut. Der gesamte Gang wirkte allerdings eher zusammengewürfelt, um der Menge auf dem Teller Willen. Ein echtes Highlight wäre es z.B. gewesen, nur das Schokoladenparfait mit heißem Birnenstrudel zu servieren.

11. Kaffee und Pralinen
Dazu ein Tresterbrand von einem Gewürztraminer.... den Espresso haben wir noch geschafft. Auch gab es in diesem Jahr für jeden Gast ein eigenes Tellerchen mit 3 Trüffelpralinés (letztes Jahr haben wir fair geteilt), was uns sehr gefiel. Aber leider waren wir nach 6 Stunden (!) dinieren dermaßen gesättigt, dass einfach nix mehr rein ging.



Ergänzend geben wir an dieser Stelle noch die Weine bekannt, die unsere Speisen begeleiteten:
Pinot blanc de noir (2006) brut
Flaschengärung

Weißburgunder Spätlese trocken
(2007)

Weisenheimer Mandelgarten, prämiert mit der silbernen Kammerpreismünze
Riesling Spätlese "Alte Reben" trocken (2007)
Sausenheimer Hütt, prämiert mit der goldenen Kammerpreismünze

Spätburgunder Auslee trocken
(2005)

Sausenheimer Honigsack, goldene Kammerpreismünze und Gold DLG

Scheurebe Eiswein
(2003)

Kirchheimer Römerstrasse, prämiert mit goldener Kammerpreismünze

Gewürztraminer Tresterbrand


Das große Wein-Resümee:

Der Sekt zu Beginn ist unser Highlight in diesem Jahr. Auch der Eiswein hatte ein tolles Aroma, wurde leider aber zu warm serviert, so dass viel Genuss flöten ging.
Bei allen anderen Rebensäften haben wir festgestellt, dass wir einfach nicht zu den Liebhabern deutscher Weine gehören. Die intensive Säure nahm teilweise viel zu viel Raum im Gaumen ein, so dass der Genuss eines folgenden Speiseganges nur halb gewährt war...schade eigentlich.

Unser Fazit:

Wie immer haben wir ein super Wochenende erlebt: mit bekannten und neuen Gesichtern der Sonnenburg.
Wie immer wurden wir herzlichst empfangen und umsorgt.
Wie immer haben uns unsere Tischnachbarn Claudia und Carsten tatkräftig beim Probieren, Kosten und Fotografieren der Speisen unterstützt.
Für all das sagen wir DANKE!

Zusammenfassend und im Unterschied zu den vergangenen Jahren haben wir aber auch festgestellt, dass die Reise durch Europa für uns eher ein buntes Sammelsurium der verschiedensten Speisen gewesen ist. Jeder Gang für sich war sehr lecker, insgesamt jedoch für uns zu ähnlich der Menüfolge des vergangenen Jahres, was im Nachgang ein bisschen enttäuschte. Vielleicht wäre es eine lukullische Steigerung, wenn die einzelnen Gänge noch feiner aufeinander abgestimmt wären. Da bietet das Thema Portugal, das für das 2009 favorisiert wird, doch sicher einiges an Ideen...wir sind schon jetzt gespannt.

Freitag, 14. November 2008

Auf zum Ostsee-Galadiner

Es ist wieder soweit!

Das Strandhotel Sonnenburg in Kühlungsborn hat wie in jedem Jahr seine Stammgäste zum großen Galamenü eingeladen. Wir befinden uns sozusagen gerade auf dem Sprung und sind gespannt, mit welchen Genüssen die Sonnenburg-Küche morgen Abend aufwartet.

Das Thema in diesem Jahr:

Eine kulinarische Reise durch Europa
begleitet von Weinen aus der Pfalz

Lasst Euch überraschen! Wir werden berichten! :-)